
Praxis für Mediation
Philippe G. Chevroulet
Mediator CAS – IEF-Zürich
Warum sind Sie Mediator?
Nun, ein Mediator wird nicht per se geboren. Um Mediation effektiv bei Konfliktparteien durchzuführen, braucht es eine vielseitige Biografie und Interesse. Damit meine ich die Fähigkeit, sich in Situationen und Menschen hineinzuversetzen und dabei eine mediative Haltung einzunehmen.
Wie sind Sie Mediator geworden?
Im Jahr 2001 war ich in der Führungseben eines internationalen Versicherungskonzerns und habe dort Aufgaben wahrgenommen, die man als mediative Interventionen bezeichnet. Später war ich immer wieder, in meiner politischen Laufbahn und meiner Tätigkeit in Verbänden, als Vermittler unterwegs. Bis ich mich dann im Jahr 2019 entschieden habe, eine Ausbildung zum Mediator zu machen. Ich wollte mir das mediative Handwerk aneignen. Meine Begabung erfolgreich vermittelt zu haben, genügte mir nicht mehr. Ich wollte mir fundiertes Wissen zulegen.
Wo haben Sie sich dieses Wissen angeeignet?
Am IEF Institut für systemische Entwicklung und Fortbildung in Zürich. Dort habe ich die Ausbildung «Grundlagen in systemischer Mediation» gemacht und mit einer CAS-Abschlussarbeit abgeschlossen. Im Anschluss habe ich die einjährige Weiterbildung «Mediation für verschiedene Anwendungsgebiete» absolviert. Seitdem besuche ich jedes Jahr ein bis zwei Praxisseminare zum Thema Mediation, Coaching oder Supervision. Das hält mich fit und bringt immer wieder neue Inputs für meine Tätigkeit als Mediator.
Eingangs haben Sie die «vielseitige Biografie» erwähnt. Was meinen Sie damit?
Einfach ausgedrückt, eine Vielzahl von Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen. Das hilft, um sich als Mediator und seinen mediativen Dienstleistungen den Konfliktparteien anzubieten. Ich komme ursprünglich aus dem konstruktiven Ingenieurhochbau. Ich habe dort viele Jahre Erfahrung gesammelt in der Bauführung. Später habe ich in der Sprengstoff Branche meine Erfahrungen gemacht und war dann als Verkaufsleiter Schweiz im Ver- und Entsorgungsgeschäft tätig. Der Wechsel in die Assekuranz ist später erfolgt. Mein Bauwissen hat mir dort vor allem in der Abwicklung von komplexen Wasserschäden geholfen. Ja und in meiner «Freizeit» zwischen den beruflichen Engagements, war ich als Skilehrer und Tauchlehrer tätig.
Heute bin ich pensioniert und konzertiere mich vollkommen auf meine Praxis für Mediation und Konfliktklärung. Meine Tätigkeiten als Präsident einer politischen Partei und Vorstandsarbeiten im KMU-Bereich habe ich niedergelegt. Das einzige Amt, das ich noch bekleide, ist die Kommissionsarbeit in meiner politischen Wohngemeinde. Ja, und da ist noch eine lokale Gewerbezeitung, die ich viermal im Jahr als Chefredaktor verantworte.
Was ist mit den Interessen?
Das gehört für mich auch in den «Erfahrungsrucksack». Meine Frau und ich sind jetzt über fünfundzwanzig Jahre zusammen und geniessen das Reisen in ferne Länder. Die Corona Zeit hat uns gezwungen, unsere Reisetätigkeiten zu unterbrechen. Das sieht nun wieder anders aus. Zum Glück. Der Golfsport hat uns auch Einblicke in diverse menschliche Gepflogenheiten ermöglicht. Das Spiel findet zwar immer auf einem Golfplatz statt, aber ob man das in den USA, in Asien, Kanada oder in Europa spielt, es ist einfach anders, und man trifft auf unterschiedliche Weltanschauungen. Das ist menschlich. Auch kulinarisch sind wir beide sehr angetan und besuchen regelmässig Gastronomiebetriebe auf der Welt. Ich erzähle das alles nicht, weil es großartig tönt. Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass durch Vielfallt im Leben Kompetenzen heranwachsen, die einem ermöglichen, mit verschiedensten Situationen klarzukommen. Oder besser klarzukommen.
Was bieten Sie als Mediator an?
Die Konfliktklärung durch professionelles Vermitteln. Will heissen, ich nehme mir die Zeit, um die Parteien zu verstehen. Und zwar wirklich zu verstehen. Übrigens war meine Abschlussarbeit diesem Thema gewidmet: Theoretische Grundlagen für den Mediationsprozess unter der Prämisse «Verstehen».
Das ist wichtig für mich. «Verstehen» und «verstanden haben» ist die Voraussetzung, um den Parteien als neutraler, überparteilicher Moderator eine Dienstleistung anzubieten, welches die solide Grundlage bildet für das weitere Vorgehen im Mediationsverfahren. Das Ziel ist stets, eine einvernehmliche, aussichtsreiche Vereinbarung zu erarbeiten, die den Interessen aller Parteien gerecht wird.
In welchen Bereichen bieten Sie Mediation an?
Ich fokussiere mich auf Konflikte bei Geschäftspartnerschaften in der Wirtschaft, Streit in Organisationen innerhalb der Arbeitswelt, politische und behördliche Konflikte, Differenzen zwischen Kunden und Lieferanten im Dienstleistungssektor, Grenzstreitigkeiten im nachbarlichen Kontext und Mehrparteienkonflikte. Die an mich herangetragene Konflikte beurteile ich nach einem Vorgespräch mit den Parteien und entscheide dann, ob ich das Mandat annehme.
Gibt es Bereiche, die Sie nicht anbieten?
Ich biete keine Mediationen im Bereich Familienstreitigkeiten an. Da sind Kolleginnen und Kollegen von mir besser gerüstet.
Was möchten Sie sonst noch der Leserschaft sagen?
Mir scheint es wichtig, dass bei Konflikten jeder Art, sich die Parteien auf eine Mediation einlassen sollten. Die Möglichkeit, einen Streit aussergerichtlich regeln zu können, ist immer einen Versuch wert. Mediation fokussiert auf Zukunft und Lösungen statt auf Schuldzuweisungen, die nichts bringen und bereitet weit weniger Stress als ein Gerichtsverfahren.